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Kinder auf der größten Müllkippe Europas

Wolfgang Wisse fährt für die Johanniter-Weihnachtstrucker nach Rumänien

Wolfgang Wisse ist Berufskraftfahrer aus Leidenschaft. Jedes Jahr an Weihnachten wird der 50-jährige Familienvater aus Oy-Mittelberg zum Johanniter-Weihnachtstrucker. Er berichtet von bewegenden und erschütternden Momenten, die er auf seinen Reisen zu den notleidenden Kindern und Familien in Rumänien erlebt hat.

„Nach meiner ersten Fahrt mit dem Weihnachtstrucker nach Rumänien konnte ich nur sehr schwer und nur mit einem dicken Kloß im Hals erzählen, was ich dort gesehen und erlebt hatte. Die Eindrücke waren sehr bedrückend und haben mich lange verfolgt“, gibt Wolfgang Wisse zu. Der gestandene Familienvater und bald dreifache Opa aus Oberzollhaus bei Oy-Mittelberg ist heuer zum sechsten Mal bei der Hilfsaktion dabei. „Ich wollte schon seit vielen Jahren beim Weihnachtstrucker mitfahren. Die Aktion hat mich schon immer fasziniert und ich habe alle Filme und Berichte darüber verschlungen“, erinnert er sich. Seine erste Bewerbung als ehrenamtlicher LKW-Fahrer scheiterte allerdings, da der Truck, den er fahren sollte, nicht voll genug wurde. Durch den Kontakt zu Michael Struck, einem Urgestein der Johanniter im Regionalverband Allgäu, konnte Wolfgang Wisse zunächst Sammelaktionen mitorganisieren, Päckchen an Schulen abholen und letztlich mit einem Begleitfahrzeug mit nach Rumänien fahren. Sein langgehegter Traum, die Aktion als waschechter Weihnachtstrucker am Steuer seines LKW zu begleiten, erfüllte sich ein Jahr später.

„Was ich in Rumänien gesehen habe, war teilweise wirklich hart“, sagt er und schluckt schwer. Besonders in sein Gedächtnis eingebrannt hat sich der Anblick der Kinder in Cluj (dt.: Klausenberg). „Dort ist die größte Müllkippe Europas. Direkt auf der Müllhalde leben Kinder in winzigen, verdreckten Baracken ohne Toilette. Sie sortieren den Müll, stehen in den giftigen Dämpfen von Kabeln, die sie verbrennen, um an den Elektroschrott zu kommen und verkaufen, was sich verkaufen lässt.“ Auch in den normalen Dörfern sei das Leben mit unserem absolut nicht zu vergleichen. „Viele Menschen leben in baufälligen Häusern, ganze Familien teilen sich einen kleinen Raum mit spärlicher Einrichtung, auf den Wegen sind Pferdefuhrwerke Gang und Gäbe. Oftmals müssen die völlig überforderten Großeltern für ihre Enkel sorgen, weil die Eltern den Sommer über als Saisonarbeiter im Ausland sind“, schildert er die Zustände und ergänzt: „Trotz der Not sind alle unglaublich gastfreundlich. Wir werden häufig zu den Menschen nach Hause eingeladen. Und im vergangenen Jahr hatten die Viert- bis Sechstklässler einer Schule eigens für uns Helfer aus Deutschland eine Aufführung vorbereitet, mit Folkloretänzen und Gesang. Das war wirklich rührend.“

All die Erlebnisse führen bei Wolfgang Wisse zu dem festen Entschluss: „Ich will so lange wie möglich bei der Aktion dabei sein, denn die Hilfe kommt wirklich ganz genau dort an, wo sie gebraucht wird und die gespendeten Päckchen machen den Menschen Mut und Hoffnung.“

Auch in diesem Jahr ist der Weihnachtsurlaub schon für die Weihnachtstrucker reserviert. Wolfgang Wisses Arbeitgeber, die Spedition Noerpel, stellt wieder kostenlos einen kompletten LKW zur Verfügung. Auch seine Familie steht voll hinter ihm, wenn er am 1. Weihnachtstag gemeinsam mit Robert Haneberg, Stefan Wüstner und Domenik Schwantes, drei seiner Fahrerkollegen vom Johanniter Ortsverband Kempten, nach Landshut aufbricht. Von dort aus geht es am 26. Dezember auf große Fahrt. Wolfgang Wisse ist die Vorfreude anzusehen: „Weihnachtstrucker ist wie eine Sucht. Ich kann es jetzt schon kaum erwarten.“

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