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Hilfe für Bedürftige in Albanien: „Es ist jede Anstrengung wert“

Die Oberfranken Julia Weiß und Alex Balko tauschen auch dieses Jahr den Platz unterm Weihnachtsbaum gegen das Führerhaus ihres LKWs

Vor seiner Premiere im vergangenen Jahr war Alex Balko noch ziemlich angespannt, inzwischen weiß er, was ihn erwartet: hunderte Kilometer Autobahn, zahlreiche Zollkontrollen, unwegsames Gelände, aber vor allem Lebensumstände, die wir uns nur schwer vorstellen können. Sein Ziel ist Albanien: Gemeinsam mit seiner Kollegin Julia Weiß und weiteren Weihnachtstruckern macht sich der 24-jährige Coburger am 2. Weihnachtsfeiertag auf den Weg nach Südosteuropa, um Hilfspakete von Päckchenspendern aus Oberfranken an bedürftige Menschen zu verteilen. Vor allem in den dortigen Roma-Siedlungen leben die Menschen oft am Existenzminimum: „Blechhütten, Wege voller Matsch und Dreck, die Armut ist offensichtlich und Europa gefühlt ziemlich weit weg“, so Alex Balko. Besonders berührend ist für die beiden Coburger Weihnachtstrucker der direkte Kontakt zu den Empfängern der Pakete und deren manchmal nur verschämt, manchmal strahlend gezeigte Freude. Genau das ist auch das Besondere am Projekt der Johanniter, das dieses Jahr seinen 25. Jubiläum feiert: Die Trucker sitzen nicht nur hinterm Steuer, sondern sie übergeben die Pakete direkt, von Hand zu Hand und erleben so unmittelbar, wie viel Freude ein einzelnes Paket mit Grundnahrungs- und Hygieneartikeln sowie einigen Kleinigkeiten für die Kinder machen kann.

„Klar ist das nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber es ist trotz allem ein Lichtblick und, vor allem in der Weihnachtszeit, ein Segen für die Menschen“, erzählt Julia Weiß. Sie ist bereits zum dritten Mal dabei und wollte „unbedingt wieder mitfahren“. Genau wie ihr gemeinsamer Chef Thorsten Krauß, der selbst schon dreimal in Albanien dabei war und auch dieses Jahr wieder seinen Fahrschul-LKW für die Aktion zur Verfügung stellt, lässt sie der Weihnachtstrucker-Virus nicht mehr los. Für die drei Coburger Fahrlehrer ist es ebenso wie für die anderen insgesamt mehr als 100 ehrenamtlichen Weihnachtstruck-Fahrer inzwischen fast selbstverständlich, dass sie Jahr für Jahr ihren Weihnachtsurlaub dafür geben. Fünf Tage sind die Konvois im Schnitt unterwegs.

Menschen wie die Drei aus Coburg sind eine entscheidende Stütze des Johanniter-Projekts, das 1994 in Bayern seinen Anfang genommen hat. Dazu kommen all die Leute, die in der Adventszeit Päckchen für die Weihnachtstrucker packen, und viele Helfer, die das Projekt im Hintergrund organisieren. Mehr als 58.000 Pakete wurden im vergangenen Jahr von Privatpersonen, Firmen, Schulen, Kindergärten und Vereinen gesammelt und dann nach Albanien, Bosnien, Nord- und Zentral-Rumänien sowie in die die Ukraine gebracht. Dieses Jahr kommt nun noch Bulgarien hinzu. Ein nicht zu unterschätzender logistischer Aufwand und auch ein anstrengendes Unterfangen für die Fahrer und Begleiter. „Wenn man sieht, mit wie wenig die Menschen zum Beispiel in Albanien zurechtkommen müssen, dann relativiert sich das aber schnell. Uns geht es so gut! Und die Hilfe ist jede Anstrengung wert“, so Julia Weiß. Die 33-Jährige freut sich auch besonders auf die Mannschaft vom „Konvoi Albanien“. Viele sind Wiederholungstäter und inzwischen als Team richtig zusammengewachsen. Das gilt auch für die Partner vor Ort, die in Albanien die Verteilung organisieren. Zum Beispiel die Schwestern des Klosters Shkoder, eine der traditionellen Anlaufstellen für in Albanien. Man kennt sich und freut sich auf das Wiedersehen.
Viel zu tun gibt es für Thorsten, Julia und Alex aber bereits vorher: Bevor am 19.12. der Coburger Truck gemeinsam mit Spendern und Unterstützern offiziell beladen wird – rund 1.000 Pakete passen auf ihren LKW – sind sie in der Region Coburg unterwegs, um Päckchen bei Kindergärten, Schulen und Firmen einzusammeln. Aber auch das machen sie gerne und mit viel Herzblut.

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